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Wasserlacke im Messebau: <br>Alternative zu<br>löse­mit­tel­halti­gen Lacken

Wasserlacke im Messebau:
Alternative zu
löse­mit­tel­halti­gen Lacken

Wasserbasierte Lacke gelten im Messebau als technisch gleichwertige Alternative zu lösemittelhaltigen Lacken für die Oberflächenveredelung von Holz- und Metallbauteilen. Sie enthalten bis zu 80 % weniger flüchtige organische Verbindungen (VOC) und tragen zur Reduzierung von Emissionen in der Produktion bei. Moderne Systeme erreichen eine Kratzfestigkeit von 3H bis 4H (Bleistifthärtetest) und Trocknungszeiten unter 30 Minuten bei Umlufttrocknung.

Sie eignen sich besonders für Präsentationsmöbel, Wandelemente und Displays, die mehrfach eingesetzt werden. In der Praxis wird die Lackauswahl immer material-, nutzungs- und projektspezifisch getroffen.

Inhalt

Sind Wasserlacke technisch gleichwertig zu lösemittelhaltigen Lacken?

Ja, moderne Wasserlacke erreichen heute eine vergleichbare mechanische Belastbarkeit wie lösemittelhaltige Beschichtungen und gelten im Messebau in vielen Anwendungen als gleichwertige Alternative. Entscheidend ist dabei jedoch das Zusammenspiel aus Material, Nutzung und Anforderungen an die Oberfläche.

In der Praxis zeigen sich Wasserlacke insbesondere auf Holzwerkstoffen und bei Präsentationsflächen als leistungsfähig und zuverlässig. Sie bieten eine hohe Oberflächenqualität sowie ausreichende Kratz- und Chemikalienbeständigkeit für den Einsatz im Messebau.

Bei speziellen Anforderungen, etwa bei sehr hoher mechanischer Beanspruchung oder bestimmten Metallsubstraten, kann die Auswahl differenzierter erfolgen. In solchen Fällen werden je nach Einsatzbereich unterschiedliche Beschichtungssysteme geprüft und abgestimmt.
Die Gleichwertigkeit ist daher kein pauschaler Zustand, sondern hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab.

Ima Holz Oberflaeche Material Werkstatt 12

Lackierte Holzplatte

Welche Anforderungen müssen Oberflächenbeschichtungen im Messebau erfüllen?

Messestände, Displays und Präsentationsmöbel bestehen je nach Anwendung aus Massivholz, MDF, Multiplex, Glas, Metall oder Kunststoff. Damit diese Bauteile langlebig und optisch hochwertig bleiben, werden sie entsprechend beschichtet oder lackiert. Dabei gelten im Messebau besonders hohe Ansprüche: Viele Komponenten werden über mehrere Jahre und Messezyklen wiederverwendet.

Typische Anforderungen:

  • Hohe mechanische Belastbarkeit – Oberflächen werden hoch beansprucht
  • Gleichmäßige Oberflächengüte, Schichtdicke, Farbwirkung und exakte Einhaltung von Farbvorgaben (RAL, HKS, Pantone)
  • Einfache Reinigung und chemische Beständigkeit
  • Wiederholte Nutzung über mehrere Messezyklen ohne sichtbaren Qualitätsverlust
  • Kurze Trocknungszeiten für effiziente Produktionsabläufe

Was sind lösemittelhaltige Lacke und wo werden sie eingesetzt?

Lösemittelhaltige Lacke waren im Messebau lange Zeit Standard. Sie bieten eine hohe Belastbarkeit, eine gleichmäßige Oberfläche und lassen sich technisch zuverlässig verarbeiten – besonders auf Metall und stark beanspruchten Flächen.

Diese Lacke enthalten flüchtige organische Verbindungen (VOC), die während der Verarbeitung verdunsten und in die Umgebungsluft gelangen. Der VOC-Gehalt liegt je nach System zwischen 300 und über 600 g/Liter. Das erfordert entsprechende Absaug- und Schutzmaßnahmen in der Produktion sowie die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte (EU-Richtlinie 2004/42/EG).

Aus diesen Gründen werden sie heute zunehmend durch wasserbasierte Alternativen ergänzt oder ersetzt – insbesondere dort, wo Emissionsreduktion und Arbeitssicherheit eine zentrale Rolle spielen.

Lackierung Holzplatten Oberflaeche GlanzgradeBeschichtete Metallplatte

Warum werden Wasserlacke im Messebau eingesetzt?

Wasserbasierte Lacke verwenden Wasser als Trägermedium anstelle organischer Lösemittel. Der VOC-Gehalt liegt je nach Produktbeschaffenheit zwischen 30 und 150 g/Liter – das entspricht einer Reduktion von bis zu 80 % gegenüber klassischen lösemittelhaltigen Systemen.

In der Produktion ergeben sich daraus mehrere handfeste Vorteile:

  • Deutlich reduzierte Emissionen in der Verarbeitung
  • Geringere Geruchsbelastung – relevant für Beschäftigte und Produktionsumgebung
  • Verbesserte Luftqualität, geringerer Aufwand für Absaugung und Schutzmaßnahmen
  • Einhaltung strenger werdender gesetzlicher VOC-Grenzwerte ohne technischen Mehraufwand
  • Geringere Entsorgungskosten für lösemittelbelastete Abfälle
  • Zur Reinigung von Arbeitsmitteln müssen keine chemischen Lösungsmittel eingesetzt werden
Aus der Praxis
Bei der Oberflächenveredelung von Messeständen und Präsentationselementen ermöglichen moderne Wasserlacke hochwertige Ergebnisse bei gleichzeitig angepassten Produktionsprozessen. Die Wahl der Beschichtung wird bereits früh in der Planung berücksichtigt, da sie Einfluss auf Nutzung, Wiederverwendbarkeit und Verarbeitung hat.

Wasserlacke: Technische Eigenschaften

Die Technologie wasserbasierter Lacke hat sich in den letzten zehn Jahren erheblich weiterentwickelt. Moderne 2K-Wasserlacksysteme (zweikomponentige Polyurethansysteme) erreichen heute eine mechanische Belastbarkeit, die mit lösemittelhaltigen Systemen vergleichbar ist.

Technische Kennwerte moderner Wasserlacksysteme:

  • Kratzfestigkeit: 3H bis 4H im Bleistifthärtetest (DIN EN ISO 15184)
  • Trocknungszeit: staubtrocken in 15–20 Minuten, grifftrocken in unter 30 Minuten (bei 20 °C, Umluft)
  • Chemische Beständigkeit: geprüft gegen Reinigungsmittel, Öle und Lösemittel
  • Glanzgrade: von strukturiert (unter 10 GE), matt (10–20 GE) bis Hochglanz (85+ GE) einstellbar
  • Einsatz auf Holz und – mit geeigneter Vorbehandlung – auf Metalloberflächen

Für die meisten Anwendungen im Messebau sind Wasserlacke damit heute vollwertige Alternativen. In Einzelfällen – etwa bei extremer mechanischer Beanspruchung oder speziellen Metallsubstraten kann die Kombination beider Systeme sinnvoll sein.

Ima Holz Oberflaeche Material Werkstatt 08Lackiertes Holzbauteil

Für welche Materialien eignen sich Wasserlacke?

Wasserbasierte Lacke werden im Messebau vor allem auf Holzwerkstoffen eingesetzt – das sind die häufigsten Substratmaterialien für Möbel, Wandverkleidungen und Präsentationselemente.

Typische Einsatzbereiche:

  • Präsentationsmöbel und Theken aus Holzplattenwerkstoffen
  • Wand- und Flächenverkleidungen mit sichtbarer Oberfläche
  • Displays und Produktaufsteller aus Holzwerkstoffen
  • Metalloberflächen (Displays, Konstruktionselemente) mit geeigneter Grundierung oder Haftvermittler
  • Bauteile, die für mehrfache Wiederverwendung über mehrere Messezyklen ausgelegt sind

Die Auswahl der passenden Beschichtung hängt immer vom Material, der geplanten Nutzung und den technischen Anforderungen ab. Eine individuelle Abstimmung in der Produktionsplanung ist dabei entscheidend.

Vergleich Lack PulverbeschichtungPulverbeschichtete Metalloberfläche

Einordnung der Beschichtungsvarianten im Messebau

Wasserbasierte Lacke haben sich in der Messebau-Produktion als leistungsfähige Alternative zu lösemittelhaltigen Systemen etabliert. Mit einem VOC-Gehalt von bis zu 80 % unter dem Niveau klassischer Lacke reduzieren sie Emissionen deutlich – ohne bei Optik und Belastbarkeit Kompromisse zu erfordern.

Moderne 2K-Wasserlacke erreichen die mechanischen Anforderungen des Messebaualltags: Kratzfestigkeit bis 4H, kurze Trocknungszeiten und hohe chemische Beständigkeit machen sie zur ersten Wahl für Holzwerkstoffe und – mit geeigneter Vorbehandlung – auch für Metall.

Welche Beschichtungsvariante eingesetzt wird, hängt vom Einzelfall ab: Material, Nutzungshäufigkeit, Beanspruchung und Wiederverwendbarkeit der Bauteile sind die entscheidenden Faktoren. Die Abstimmung erfolgt projektbezogen – und idealerweise bereits in der frühen Planungsphase.

Wasserlacke sind ein Baustein im Nachhaltigkeitsansatz von IMA International. Weitere Informationen finden Sie hier: Nachhaltigkeit.

Über den Autor

Uwe Bremer

Geschäfts­füh­rer, IMA Internatio­nal

IMA International ist Hersteller für Messebau, Ladenbau und Displaybau mit eigener Fertigung am Standort Aßlar bei Wetzlar. Seit 1976 realisiert das Unternehmen Projekte für mittelständische Unternehmen und Konzerne – national und international.

„Die Frage ist nicht ob Wasserlack oder Lösemittellack – sondern welche Beschichtung zum Material, zur Nutzung und zum Projekt passt.“

FAQ

Häufige Fragen

Was sind flüchtige organische Verbindungen (VOC) und warum sind sie relevant?

VOC (Volatile Organic Compounds) sind erdölbasierte Lösungsmittel der Kohlenstoffchemie in lösemittelhaltigen Lacken, die während der Verarbeitung verdunsten. Sie belasten die Luft in Produktionsräumen, unterliegen gesetzlichen Grenzwerten (EU-Richtlinie 2004/42/EG) und erfordern die strikte Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen – bei unsachgemäßer Verarbeitung sind sie ernsthaft gesundheitsschädigend. Wasserbasierte Lacke enthalten bis zu 80 % weniger VOC.

Sind Wasserlacke im Messebau genauso belastbar wie lösemittelhaltige Lacke?

Moderne 2K-Wasserlacksysteme erreichen eine Kratzfestigkeit von 3H bis 4H (DIN EN ISO 15184) und sind für die meisten Anwendungen im Messebau vollwertige Alternativen. Bei extremer Beanspruchung kann die Kombination beider Systeme sinnvoll sein.

Darüber hinaus sind Wasserlacke deutlich besser verträglich für die Beschäftigten in der Produktion – ein relevanter Vorteil im täglichen Arbeitsumfeld.

Können Wasserlacke auch auf Metall eingesetzt werden?

Ja. Voraussetzung ist eine geeignete Vorbehandlung der Metalloberfläche – etwa durch Primer oder Haftvermittler. Typische Einsatzbereiche sind Displays und Konstruktionselemente.

Welche Materialien eignen sich besonders gut für Wasserlacke?

Holzwerkstoffe wie MDF und Multiplex eignen sich hervorragend. Aber auch Metall und Kunststoff können mit wasserbasierten Lacken beschichtet werden – je nach Anforderung und Oberflächenvorbereitung.

Wie lange trocknen Wasserlacke im Vergleich zu lösemittelhaltigen Lacken?

Moderne Wasserlacke sind bei 20° C und Umlufttrocknung in 15–20 Minuten staubtrocken und in unter 30 Minuten grifftrocken. Mit UV-Härtung lassen sich Trocknungszeiten weiter reduzieren. Lösemittelhaltige Lacke können teils schneller oberflächentrocken sein, benötigen aber oft längere Durchhärtezeiten.